Początek treści

Ausstellung V

Nur Arbeit und Hunger. Die Geschichte der Außenstelle des deutschen Konzentrationslagers für polnische Kinder

Das Lager an der ul. Przemysłowa

Im Herbst 1942 begann die Besatzungsmacht von Łódź (Litzmannstadt) mit dem Bau einer besonders grausamen Richtstätte. Im nördlichen Teil der Stadt, in einem vom Lodzer Ghetto abgetrennten Gebiet, wurde eine Holzumzäunung für ein deutsches Konzentrationslager für polnische Kinder errichtet. Dieses Lager mit dem Namen Polen-Jugendverwahrlager der Sicherheitspolizei in Litzmannstadt wurde am 1. Dezember 1942 in Betrieb genommen. Schon bald wurde das Haupttor in der ul. Przemysłowa (damals Faust-Straße) von dem ersten Transport kleiner Häftlinge durchquert.

Die deutsche Besatzungsmacht beabsichtigte, das Lager für verschiedene Zwecke zu nutzen. Es diente als Haftort für die jüngsten Polen, die als Bedrohung für die totalitäre Ordnung des Dritten Reiches wahrgenommen wurden. Darin wurden Kinder von Mitgliedern der Widerstandsbewegung oder Kinder, deren Eltern sich weigerten, die Volksliste zu unterzeichnen, inhaftiert. Sie wurden wegen ihrer Religionszugehörigkeit, wegen angeblich oder tatsächlich mangelnder elterlicher Fürsorge oder wegen geringfügiger Gesetzesübertretungen festgehalten.

In dem Lager waren Jungen und Mädchen im Alter von 1 bis 16 Jahren inhaftiert. Es ist wahrscheinlich, dass auch Transporte mit Säuglingen hier ankamen. Die im Polen-Jugendverwahrlager herrschenden Lebensbedingungen waren dramatisch schlecht. Diese bestanden aus Hungerrationen, brutaler Gewalt durch die Aufseherinnen und Aufseher, katastrophalen hygienischen Verhältnissen, fehlender Heizung, allgegenwärtigen Krankheiten und verheerender Sklavenarbeit. Einige der kleinen Häftlinge überlebten die Gehenna des Lagers nicht. Die anderen kämpften noch jahrzehntelang mit den Folgen des Lageraufenthalts.

Das Hauptlager und seine Außenstelle

Die jüngsten Kinder wurden – gleich welchen Geschlechts – im nordwestlichen Teil des Lagers untergebracht, der für Mädchen bestimmt war. Einige von ihnen waren für die Germanisierung bestimmt. Die älteren Häftlinge, die das achte Lebensjahr erreicht hatten, wurden zu schwerer Arbeit gezwungen, hauptsächlich in den Lagerwerkstätten. Sie dauerte vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag. Abends mussten die Kinder zusätzliche Aufgaben erledigen, wie zum Beispiel putzen.

 

Ungehorsam, zu langsame oder unsachgemäße Arbeitsleistung wurden mit Schlägen oder der Einschränkung der ohnehin bereits bestehenden Hungerrationen bestraft. Obwohl das Lager an der ul. Przemysłowa der deutschen Kriminalpolizei (Kripo) unterstellt war und sein Kommandant der Leiter der Kripo des besetzten Łódź – Camillo Ehrlich – war, war die Sklavenarbeit der inhaftierten Kinder organisatorisch in die Arbeit der Inspektion der Konzentrationslager im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt eingebunden.

Fast zeitgleich mit der Organisation des Kinderlagers in Łódź wurden Ende November/Anfang Dezember 1942 die ersten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Schaffung der Außenstelle des Lagers ergriffen. Als Standort wurde das Dorf Dzierżązna bei Zgierz gewählt, das ursprünglich als möglicher Standort für das Hauptlager in Betracht gezogen worden war. Schließlich wurde hier im März 1943 eine landwirtschaftliche Außenstelle des deutschen Konzentrationslagers für polnische Kinder mit dem Namen Polen-Jugendverwahrlager Litzmannstadt Arbeitsbetrieb „Dzierzazna” über Biala eröffnet.

Der Arbeitbetrieb „Dzierzazna” über Biala

Die Basis des Außenlagers in Dzierżązna waren die Güter polnischer Eigentümer, die vom Besatzer zugunsten der neuen deutschen Besitzer beschlagnahmt wurden. Zunächst wurden im Mai 1940 die Landgüter von Bolesław Duszyński und Felicja Pawełczyńska beschlagnahmt. Dann wurden im März 1941 die Anwesen von Józef Bernaciak und Jadwiga Słomińska übernommen. Das Vorkriegsgutshaus der Familie Słomiński wurde von den Deutschen zum Sitz des Außenlagerleiters bestimmt. Mit einem Beschlagnahmebeschluss vom 16. März 1943 fielen schließlich alle aufgelisteten Immobilien „an das Deutsche Reich”. Kurze Zeit später traf der erste Transport weiblicher Häftlinge in der Außenstelle ein.

Das Außenlager bestand aus drei Hauptteilen. In seinem nordöstlichen Teil, auf dem sogenannten Hügel, wohnte der Leiter der Außenstelle. Außerdem gab es hier Gärten und eine Reihe von Nebengebäuden. Hier befand sich auch einer der Einzelzellen des Lagers, in dem ungehorsame Mädchen eingesperrt wurden. „Auf dem Hügel" lebten nur einige wenige weibliche Häftlinge der Außenstelle dauerhaft, die anderen Mädchen kamen aus anderen Teilen des Außenlagers zur Arbeit. Nicht weit, im Südwesten, befand sich die sogenannte Senke – hier, in einem Gebäude abseits des Fischteichs und der Mühle, wurde einer der Unterkünfte für Mädchen eingerichtet. Hier befand sich auch die zweite Einzelzelle. Am weitesten im Südwesten befand sich das Schulgebäude, in dem die weiblichen Häftlinge auch übernachteten.

Die Leitung der Außenstelle

Von Beginn des Betriebs der Dzierżąznaer Außenstelle des Lagers an der ul. Przemysłowa an war ihr Leiter Heinrich Fuge. Fuge kam aus den Tiefen des Reichs in das von den Deutschen besetzte Łódź. Er war ein Beamter der deutschen Kriminalpolizei (Kripo). Zunächst diente er als erster Stellvertreter Camillo Ehrlichs, des Kommandanten des Lagers an der ul. Przemysłowa.

 

In der zweiten Märzhälfte 1943 hatte er bereits seinen ständigen Wohnsitz in dem angeeigneten Schlösschen in Dzierżązna genommen. Dort lebte er zunächst mit seiner ersten Frau und seiner Schwiegermutter, heiratete nach seiner Verwitwung im Jahr 1944 jedoch schnell wieder.

Heinrich Fuge fand sich hervorragend in der Rolle des „Oberherrn” des Außenlagers in Dzierżązna wieder. Dort blieb er bis zum 17. Januar 1945, als er aus Angst vor den anrückenden sowjetischen Truppen floh.

Nach seiner Flucht arbeitete er noch drei Monate lang in einem deutschen Jugendlager im niedersächsischen Moringen.

In dem von den Alliierten besetzten Deutschland wurde er gefangen genommen und einem Überprüfungsverfahren unterzogen.

Er ließ sich in Westdeutschland nieder, wo er zunächst als Polizeibeamter und dann als Steuerberater in Hamburg arbeitete. Er wurde nie bestraft.

Das Personal der Außenstelle

Parallel zur Einrichtung des Außenlagers in Dzierżązna ging die deutsche Leitung zur Organisation ihres Personalbestands über. Aus der enteigneten und zwangsrekrutierten polnischen Bevölkerung wurden schließlich etwa 30 Gutshofarbeiter gedungen, die den in der Außenstelle inhaftierten Mädchen bei den schweren landwirtschaftlichen Arbeiten Hilfe leisteten, über die weiblichen Häftlinge jedoch auch wachten. Unter ihnen wurden drei polnische Frauen ausgewählt und ihnen die Funktion als Aufsichtspersonen zugewiesen: Helena Biederman, Jadwiga Napieralska und Helena Szczepaniak. Die Herkunft des Großteils der Mitarbeiter der Außenstelle war ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal zum Stammlager in Łódź, dessen Personal sich überwiegend aus Reichsdeutschen (einschließlich des Kommandanten und seiner Stellvertreter), einheimischen Volksdeutschen und deutschen Siedlern aus dem Osten, den sogenannten Umsiedlern, zusammensetzte.

Trotz der rohen Strenge des Lagers konnte die Außenstelle in Dzierżązna manchmal auf die Unterstützung eines der polnischen Mitarbeiter zählen, sei es in Form einer zusätzlichen Essensration oder zumindest eines geschmuggelten Kassibers. Im Bewusstsein der geringen Effizienz der Arbeiten der jungen Mädchen sowie der unzureichend effizienten Aufsicht entschied sich der Leiter der Außenstelle Heinrich Fuge, zwei deutsche Aufseherinnen – Eugenia Pohl und eine Frau mit Nachnamen Rösler – dorthin zu entsenden. Nach dem Krieg kam es in der ersten Hälfte der 70er Jahre zu einem viel beachteten Prozess gegen die Erste von ihnen. Für ihren Beitrag zum Tod von zwei Mädchen im Hauptlager an der ul. Przemysłowa wurde Eugenia Pol, die bereits ihren Nachnamen geändert hatte, unter anderem zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie kam im Jahr 1989 vorzeitig aus dem Gefängnis frei. Sie starb 2003 in Łódź.

Das Lagerregime

Das Betragen jedes der Mädchen, die in der Außenstelle Dzierżązna inhaftiert waren, wurde akribisch im Lagerbuch festgehalten. Bei Ungehorsam der weiblichen Häftlinge oder auch nur bei Verdacht auf Ungehorsam wurden körperliche Strafen verhängt, die Essensrationen gestrichen oder gekürzt, die Köpfe der Kinder rasiert und die Mädchen in die Keller gesperrt, die auch als Lagereinzelzellen dienten. Auch solche Strafen wurden im Lagerbuch festgehalten.

 

„Ich erinnere mich, dass es im Keller Ratten gab und viel Wasser. Ich saß die ganze Nacht in diesem Raum, ich hatte große Angst, aber ich musste meine Strafe absitzen.“

AIPN, Protokoll über die Vernehmung der Zeugin Maria Jaskulska geb. Delebis, 29.5.1971, Az. Ld 503/106, Bd. 7. Bl. 86 v.

 

Besonders hart und erniedrigend war die Auspeitschung der kleinen weiblichen Häftlinge während der Appelle, die unter der persönlichen Aufsicht von Heinrich Fuge stattfanden. Er drängte und ermutigte nicht nur seine weiblichen Aufseherinnen, entschiedener zuzuschlagen, sondern er griff auch oft selbst nach der Peitsche.

Gewalt gegen die Mädchen wurde auch außerhalb des offiziellen Bestrafungssystems angewendet. In Momenten des Zorns schlug Fuge sie, auch seine erste Frau Elsa war gegenüber den Mädchen sehr brutal. Ihr Tod im Februar 1944, zu dem Alkoholmissbrauch beitrug, wurde von den kleinen weiblichen Häftlingen mit Erleichterung aufgenommen.

Trotz eines so brutalen Regimes hatten die Mädchen Angst vor der Vision, in das Hauptlager an der ul. Przemysłowa zurückzukehren. Die dort vorherrschenden Bedingungen waren um ein Vielfaches schlechter.

Die Lebensbedingungen

Im Gegensatz zum Hauptlager an der ul. Przemysłowa in Łódź, in dem bis zu einem Zehntel der Gesamtzahl der Gefangenen ums Leben kam, wurden in der Außenstelle des Lagers in Dzierżązna keine Todesopfer verzeichnet. Hierfür gab es mehrere Gründe. Nicht ohne Bedeutung war hier die Unterstützung durch die lokale Bevölkerung, auf die die „Przemysłowa-Kinder” nicht zählen konnten. Im landwirtschaftlichen Außenlager war der Zugang zu Nahrungsmitteln eindeutig einfacher, obwohl die Grundrationen für die weiblichen Häftlinge der Außenstelle nicht den Bedürfnissen der zu schwerer Sklavenarbeit gezwungenen Mädchen entsprachen. Schließlich wurden die kranken Kinder, die für die Arbeit in der Landwirtschaft nicht mehr geeignet waren, in das Hauptlager zurückgeschickt. Ein solches Schicksal ereilte unter anderem die vierzehnjährige Gertrude Weinhold, die, nachdem sie schwer krank geworden war, im Juli 1944 aus Dzierżązna zurückgeschickt wurde und dann nach wenigen Tagen in Łódź starb.

Kinder, die in der Außenstelle inhaftiert waren, durften pro Monat einen streng zensierten Brief an ihre Familien schicken, sofern sie noch Verwandte auf freiem Fuß hatten. Es war auch möglich, ein Rettungspaket gegen den Hunger oder eine Geldüberweisung zu erhalten, und einmal alle sechs Monate kam es vor, dass Heinrich Fuge auch einem kontrollierten Besuch eines Familienmitglieds zustimmte.

Die Mädchen, die in der effizienzorientierten Außenstelle arbeiteten, hatten kaum Zugang zu Reinigungsmitteln, die den Häftlingen des Lagers an der ul. Przemysłowa überhaupt nicht zur Verfügung standen. Dennoch traten auch in Dzierżązna häufig parasitäre und infektiöse Krankheiten auf, wie z. B. eine infektiöse Augenentzündung, weshalb eine weitere Gefangene, Gertruda Nowak, Ende Juli 1944 nach Łódź zurückgeschickt wurde. Auch Erfrierungen waren in dem Außenlager keine Seltenheit.

Die Zwangsarbeit

Die Mädchen, die zur Arbeit in der Außenstelle gezwungen wurden, nahmen an der Produktion von Lebensmitteln für das Lager an der ul. Przemysłowa teil. Die Früchte ihrer Arbeit kamen in erster Linie der Lagerbesatzung zugute. Für die im Lager gefangenen Kinder blieben nur die Reste übrig.

Die Außenstelle des deutschen Lagers für polnische Kinder in Dzierżązna war ein wichtiges Bindeglied für das Funktionieren des Hauptlagers in Łódź.

Die von den Mädchen ausgeführten Aufgaben waren vielfältiger Natur. In erster Linie ging es um schwere landwirtschaftliche Arbeiten, bei denen die Kinder manchmal von erwachsenen Helfern unterstützt wurden. Von der Morgendämmerung bis zum Abend mussten die weiblichen Häftlinge auf dem Feld und im Garten arbeiten, die Bauernhoftiere versorgen oder Fische von Hand aus dem Lagerteich fangen – auch an kalten Herbsttagen. Unter anderem aus diesem Grund litten viele der ehemaligen weiblichen Häftlinge bereits im Erwachsenenalter an Rheumatismus. Im Winter besetzten die Mädchen Kleidungsstücke oder fertigten Strohmatten an. Außerdem mussten sie das ganze Jahr über Aufräumarbeiten auf dem Gelände der Außenstelle nachgehen.

Das Arbeitsengagement eines jeden Mädchens wurde im Lagerbuch akribisch festgehalten. Widerspenstige weibliche Häftlinge wurden hart bestraft.

„… im Spätherbst mussten wir aus dem entleerten Teich Fische fangen. Das Fischen wurde so gehandhabt, dass wir uns ausziehen und nur mit unseren Hemden bekleidet die Fische aus dem Schlamm ziehen mussten. Damals holte jeder von uns die Fische heraus, einige steckten sie unter das Hemd, andere trugen die Fische in verschiedenen Gefäßen und Körben an das Teichufer. Ich erinnere mich daran, dass unsere Arbeit von der Pol überwacht wurde und sie uns antrieb, schneller zu arbeiten. Während meiner Arbeit in Dzierżązna erkrankte ich und wurde in das Lager in Łódź verbracht.”

AIPN, Protokoll über die Vernehmung der Zeugin Helena Jasińska geb. Bednarek, 25.2.1971, Az. Ld 503/106, Bd. 6, Bl. 66.

 

„Auf dem Gut wurden wir zu folgenden Arbeiten herangezogen: Auslichten von Sträuchern im Schlosspark, Gartenarbeiten im Gewächshaus und im Garten, landwirtschaftliche Arbeiten auf den Feldern, Arbeiten im Kuhstall, Streichen der Pavillons, regelmäßiges Fischen und anderes.

AIPN, Protokoll über die Vernehmung der Zeugin Maria Jaskulska geb. Delebis, 29.5.1971, Az. Ld 503/106, Bd. 7, Bl. 86.

 

„Die Arbeit dauerte von 6 Uhr morgens bis zum Abend mit Mittag- und Frühstückspause. Ich lebte und arbeitete in der Senke bei der Mühle. Ich sammelte mit anderen Mädchen Steine, erntete Kartoffeln, arbeitete in den Mistbeeten beim Gutseigentümer Fuge. Bei kleineren Vergehen wurden wir zum Ausgraben von Baumstümpfen geschickt, bekamen kein Abendessen und wurden im Keller eingesperrt. Ich grub, weil ich im Wintergarten ordnungswidrig geraucht hatte, den Stamm eines gefällten Baumes aus. Beim zweiten Mal rupfte ich ordnungswidrig anstelle von Unkraut Pflanzen und saß deswegen im Keller.“

AIPN, Protokoll über die Vernehmung der Zeugin Danuta Kęsik geb. Saniburska, 30.9.1969, Az. Ld 503/106, Bd. 5, Bl. 42.

Die weiblichen Häftlinge

Maria Orlicka. Nachdem sie von den Deutschen bei einer Razzia verhaftet worden war, wurde die vierzehnjährige Maria im KL Auschwitz inhaftiert. Ihre Eltern wurden über die Hinrichtung ihrer Tochter informiert, und Marias Vater soll daraufhin einen Herzinfarkt erlitten haben. Das Mädchen wurde jedoch nicht hingerichtet, sondern in das Lager für polnische Kinder in Łódź gebracht, von wo aus sie in die Außenstelle in Dzierżązna gelangte. Schwer erkrankt, wurde Maria im November 1944 aus dem Lager entlassen.

In der zweiten Märzhälfte 1943 traf der erste Transport mit zehn weiblichen Häftlingen in der Außenstelle des deutschen Lagers für polnische Kinder ein. Bald kamen weitere Transporte mit jeweils zwanzig Mädchen an. Im Jahr 1944 soll die Zahl der kleinen weiblichen Häftlinge, die aus dem Hauptlager in die Außenstelle Dzierżązna transportiert wurden, die Zahl 140 erreicht haben. Insgesamt könnten bis zu 200 „Przemysłowa-Mädchen” in dem Außenlager inhaftiert gewesen sein. Die Zeit der deutschen Besatzung hat das Schicksal eines jeden von ihnen besonders düster geprägt.

Jadwiga Heigelmann. Die elfjährige Jadwiga wurde mit ihrem Zwillingsbruder Tadeusz in dem Lager an der ul. Przemysłowa inhaftiert. Sie gelangten ins Lager, weil ihre Mama sich weigerte, die Volksliste zu unterschreiben. Die Mama wurde in einem deutschen Konzentrationslager ermordet. Im „Przemysłowa-Lager” wurden die Kinder getrennt – Jadwiga kam in die Außenstelle in Dzierżązna. Die Geschwister überlebten den Krieg. Ihren Vater, der als polnischer Soldat nach England kam, wo er in der Überzeugung des Todes der ganzen Familie lebte, trafen die Zwillinge erst im Erwachsenenalter wieder.

Gertruda Weinhold. Gertruds Familie wurde von den Deutschen unterdrückt, weil sie sich weigerte, die Volksliste zu unterzeichnen. Die Eltern des Mädchens wurden zur Zwangsarbeit geschickt, und sie wurde zusammen mit ihren beiden jüngeren Brüdern Bronisław und Mieczysław in dem Lager an der ul. Przemysłowa inhaftiert. Die Kinder wurden bald getrennt – Gertruds neuer Haftort wurde die Außenstelle in Dzierżązna. Ende Juli 1944 wurde das Mädchen nach Łódź zurückgeschickt, wo sie bald darauf starb. Sie wurde vierzehn Jahre alt. Die offizielle Todesursache war eine Krankheit, ihr Bruder jedoch behauptete, Gertrude sei zu Tode geprügelt worden.

„Gertrude lag regungslos auf der Bahre und gab keinerlei Lebenszeichen von sich. Ich sah das Gesicht meiner Schwester, die ganze linke Seite ihres Kopfes war stark geschwollen und gerötet, wahrscheinlich von (...) den Schlägen.”

AIPN, Protokoll über die Vernehmung des Zeugen Bronisław Weinhold, 21.9.1972, Az. Ld 503/106, Bd. 17, Bl. 39.

Stanisława Góralczyk und Wanda Radko. Beide wurden von den Deutschen bei einer Razzia gefangen genommen (Wanda im Alter von weniger als zwölf Jahren und Stanisława mit vierzehn Jahren). Nach ihrem Aufenthalt im Lager in Mysłowice wurden sie im Polen-Jugendverwahrlager Litzmannstadt inhaftiert, von wo aus sie in die Außenstelle in Dzierżązna gelangten. Die schwer erkrankte Wanda wurde im November 1944 aus dem Lager entlassen, Stanisława hingegen erlangte erst mit der Flucht der deutschen Lagerbesatzung im Januar 1945 ihre Freiheit zurück.

Urszula Grenda. Die zehnjährige Urszula wurde zusammen mit ihrer Mama und ihren Geschwistern gefangen genommen. Dies geschah nach der vorherigen Verhaftung ihres Papas und ihrer beiden ältesten Brüder. Der Papa wurde im Konzentrationslager Mauthausen ermordet, von den Brüdern fehlt jede Spur. Die Mama des Mädchens und seine beiden älteren Schwestern wurden im KL Auschwitz inhaftiert, wo Urszulas 18-jährige Schwester Irena starb. Zusammen mit den beiden verbliebenen Brüdern – Eugeniusz und Jerzy – und der jüngeren Schwester Domicela wurde das Mädchen in das Lager in Łódź transportiert. Nach Erreichen des sechzehnten Lebensjahres wurde Eugeniusz in Konzentrationslager für Erwachsene in die Tiefen Deutschlands geschickt und überlebte dort bis zum Ende des Krieges. Domicela wurde in das Lager in Potulice verlegt. Erst zwei Jahre nach dem Krieg fand die Mama sie wieder. Ursula und Jerzy blieben in dem Lager an der ul. Przemysłowa gefangen, wo sie die Flucht der deutschen Besatzung miterlebten. Zuvor war Urszula auch gezwungen, in der Außenstelle des Lagers in Dzierżązna zu arbeiten.

Augustyna Borowiec. Nach der Gefangennahme durch die Deutschen wurde die vierzehnjährige Augustyna im KL Auschwitz inhaftiert. Von dort gelangte sie in das Konzentrationslager für polnische Kinder in Łódź. Anschließend wurde sie in die Außenstelle in Dzierżązna verlegt, wo sie auf die Wiedererlangung ihrer Freiheit wartete.

Elżbieta Konarska. Sie wurde im Alter von zehn Jahren zusammen mit ihrer fünfjährigen Schwester Alina im Zusammenhang mit den konspirativen Aktivitäten ihres Vaters verhaftet. Der Vater der Mädchen wurde im Fort VII in Posen ermordet, und auch ihre Mutter starb nach ihrer Verhaftung. Nachdem sie im Lager an der ul. Przemysłowa inhaftiert worden war, wurde sie für einige Zeit in die Außenstelle in Dzierżązna verlegt. Schließlich wurden die Schwestern getrennt, als Alina in das Lager in Potulice verbracht wurde. Die Mädchen trafen sich erst nach dem Krieg wieder.

Die weiblichen Häftlinge

Hinter jedem Foto eines Mädchens, das in der Außenstelle des deutschen Konzentrationslagers für polnische Kinder eingesperrt war, verbirgt sich eine weitere Kindertragödie. Eine Tragödie, die wir nicht vergessen dürfen.

Das Gedenken

Die Erinnerung an die Mädchen, die in der Außenstelle des Konzentrationslagers für polnische Kinder inhaftiert waren, ist bei den Mitgliedern der örtlichen Gemeinschaft nie verblasst. Doch erst aufgrund der Kontaktaufnahme lokaler Geschichtsschreiber mit den ehemaligen weiblichen Gefangenen des Außenlagers und den Archiven und Fotografien, die seine Funktionsweise dokumentieren, wurde es möglich, verschiedene Formen des Gedenkens an die dramatischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs zu veranstalten. Im Jahr 1972 wurde an dem heute nicht mehr existierenden Schulgebäude in Dzierżązna, in dem die weiblichen Häftlinge während der Zeit der Außenstelle untergebracht waren, eine Gedenktafel für die kindlichen Opfer des Außenlagers angebracht.

Dank der gesammelten Exponate wurde es möglich, im selben Schulgebäude in Dzierżązna eine Kammer für Nationales Gedenken mit einer Ausstellung zur Geschichte des Außenlagers einzurichten. Seit 2002 ist die Kammer für Nationales Gedenken in der Jan-Kasiński-Grundschule in Biała tätig. Das Gemeindezentrum für Kultur, Sport, Tourismus und Erholung der Gemeinde Zgierz, das in einem Teil des ehemaligen Arbeitsbetriebs „Dzierzazna” über Biala untergebracht ist, zeigt ebenfalls Ausstellungen über die Außenstelle des Lagers.

Seit 1987 ist Dzierżązna das Zentrum für die Veranstaltung von Treffen ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers für Minderjährige in Łódź und seiner Außenstelle in Dzierżązna. Bis 2018 haben zehn ähnliche Treffen von Überlebenden stattgefunden. Die Treffen wurden von wichtigen Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Opfer des Außenlagers begleitet, darunter die Enthüllung eines Obelisken zum Gedenken an die in der Außenstelle in Dzierżązna inhaftierten Kinder während des sechsten Treffens im Jahr 1996 und die Enthüllung einer Gedenktafel durch das Gemeindezentrum für Kultur, Sport, Tourismus und Erholung der Gemeinde Zgierz während des achten Treffens im Jahr 2009. Seit 2021 wird die Tradition der Veranstaltung von Treffen der ehemaligen Häftlinge des deutschen Konzentrationslagers an der ul. Przemysłowa und ihrer Außenstelle unter Beteiligung von Familienmitgliedern der Überlebenden vom Museum der Polnischen Kinder – Opfer des Totalitarismus – fortgesetzt.

Quelle der weiteren auf der Schautafel verwendeten Fotos: Privatsammlung von Frau Blanka Magdalena Hauke.